Perfektes Posing mit System?

Model-Fotografen studieren gerne Bücher und/oder andere Quellen mit Posen. Wer arbeitet nicht mit einem Repertoire an Posen, die sich immer irgendwie gut machen und für dieses oder jenes Model geeignet sind? Auch Roberto Valenzuela, der Autor des Buchs Perfektes Posing mit System, hat sich viele Jahre lang als professioneller Praktiker damit beschäftigt. Er gibt zu, einen Fundus guter Posen genutzt zu haben. Aber macht es nicht Sinn, mit System vorzugehen? Es gibt so vieles, auf das ein Fotograf zu achten hat.

Perfektes Posing mit SystemAuch bei einer noch so professionellen Vorgehensweise im Studioalltagsstress offenbaren sich Details erst nach einem Shooting. Dies vor allem dann, wenn nur wenig Zeit zum Ablichten zur Verfügung steht. Mit System vorzugehen, kann nicht so tolle Überraschungen vermeiden. Die Anatomie und damit verbundene Körpersprache des Menschen ist vielschichtig. So auch die Mimik. Bereits ein direkter Blick des Models in die Linse kann eine Fashion-Aufnahme tatsächlich kaputt machen. Der Beobachter wird zum Beobachteten und dabei gestört, das Outfit in Ruhe vollständig zu betrachten – Bildpsychologie, die viele kennen. Sind überdies Schlüsselbein und Kinn zur Kamera ausgerichtet, steht die Präsenz der Person im Vordergrund. Diese Details verraten bereits, dass es durchaus möglich ist, systematisch Posen zu entwickeln. Roberto Valenzuela gibt in seinem Werk sein 15-Punkte-System preis. Dies ausgehend von eigentlich einfachen „anatomischen“ Gegebenheiten und deren Bildwirkung. Der Klappentext des Buchs offeriert, dass man sich nach dessen Lektüre davon befreien kann, sich an eine Unzahl von Posen erinnern zu müssen und stattdessen Elemente richtigen Posings für Einzel-. Paar- und Gruppenshootings systematisch anwenden lernt.

Zeit für persönliche Erfahrungen:

Es war schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Der Übersetzung ins Deutsche ist wahrscheinlich zu schulden, dass einige Passagen etwas holperig zu lesen sind. Aber: Einprägsam und sogar unterhaltend wird eine Systematik vermittelt, von der man vor einem nächsten Shooting den Eindruck gewinnt, dass sie absolut Sinn macht. Es bereitet Freude, mit der Routine zu brechen und sogar zu experimentieren. In der konkreten Anwendung fühlt man sich sozusagen wissend und sicher. Perfektes Posing mit System ist aus meiner Sicht ein absoluter Tipp für Fotografen und Models in den Bereichen Fashion, Portrait und People, die entweder aus der Routine ausbrechen wollen oder sich noch nicht so sicher fühlen.

Das Buch beim dpunkt.verlag